Universal Design und Bildung - Oder: wie wird man eigentlich Universal Designer

Epilog zum Autor Dipl. Designer Tim Oelker

Tim und ich haben uns „stückchenweise“ kennengelernt. Unsere erste Begegnung war durch Tims Leidenschaft der Lehre geprägt. Erste gemeinsame Projekte entwickelten sich zu einer langjährigen - bis heute andauernden - kreativen Zusammenarbeit in unterschiedlichen Aufgaben und Formaten (u.a. Munich Creative Business Week, Messe Altenpflege, oursuperstore). Ich würde Tim als den emphatisch, kreativen Mathematiker des Universal Design bezeichnen. Seine Pläne und Szenarien sind gerade in den Realisierungsphasen "universal design exakt" und haben uns vor so mancher "Überraschung“ vor Ort verschont. Herzlichen Dank dafür und Deinen Blog Beitrag! Thomas Bade



»Universal Design muss früh und kontinuierlich in der Bildung verankert werden.« So lautet einer der 12 Leitsätze der Weimarer Erklärung der Universal Design Expertenkonferenz aus dem Jahre 2009.


Wie sieht es mit dieser Verankerung an deutschen allgemeinbildenden Schulen und Hochschulen aus? Leider nicht besonders gut. Mir sind kaum allgemeinbildende Schulen bekannt, an denen überhaupt Designthemen zum Lehrplan gehören.

Anders in England: schon in der Primarschule kommen Schüler*innen mit Fragen zur Gestaltung von Alltagsprodukten und Dienstleistungen in Berührung und versuchen in Projekten, sinnvolle Universal-Design-Lösungen für durchaus komplexe Aufgaben zu finden. Z.B. »Wie sollte eine leicht verständliche Fernbedienung für einen TV aussehen?« oder »Wie kann man eine leicht zu öffnende Tür gestalten, bei der man sofort erkennt, in welche Richtung sie aufgehen wird?«.


In Deutschland braucht es hingegen Hochschulreife, um sich mit Design im Allgemeinen und mit Universal Design im Besonderen befassen zu können. Positiv ist dabei: in Berlin, Hannover, Münster, München und Weimar werden an den Design-Hochschulen regelmäßig UD-Projekte durchgeführt, was sich z.B. durch vielfältige Einreichungen bei der jährlichen Universal-Design-Competition zeigt. Weniger gut: an fast allen anderen Design-Hochschulen in Deutschland gehört »Universal Design« oder »Design für alle« nicht zum Curriculum.

Dabei lässt sich mit einem partizipativen und praxisnah konzipierten Projekt sehr schnell zeigen, welche Veränderungen Universal-Design-Prinzipien bringen können. In meiner Zeit an der Hochschule Hannover hatte ich das Glück, ein solches von Thomas Bade initiiertes UD-Projekt in der Stadt Minden als Lehrender begleiten zu dürfen.

Studierende der Hochschule Hannover, sowie junge und ältere Einwohner der Stadt Minden, mit Rollstuhl, Rollator oder ohne, trafen sich zu einem »48-Stunden-Gestaltungsmarathon« und entwickelten gemeinsam in »Co-Kreation« Lösungsansätze für die Orientierung in der Stadt und für nutzergerechtes Straßenmobiliar.


Nach einer gemeinsamen Recherche in den Straßen der Stadt wurden mithilfe von Design-Thinking-Methoden Fragen und Kritik an den bestehenden Lösungen gestellt und erste Ideen formuliert.

Im Anschluss wurden die Ideen bewertet und die vielversprechendsten weiterentwickelt.

Eine gemeinsame Abschlußpräsentation im Rathaus der Stadt Minden markierte das Ende dieser spannenden 48 Stunden.


Die Design-Studierenden aus Hannover und die Teilnehmer aus Minden bewerteten diese »Co-Kreation« als sehr agile soziale und gestalterische Übung, die eine Vielzahl von Ideen hervorbrachte, die ohne diesen partizipativen Ansatz so nicht hätten entstehen können.

Was würde also passieren, wenn in Zukunft Universal Design früh und kontinuierlich in der Bildung verankert werden sollte?

Im besten Fall treffen dann in weiteren auf Teilhabe ausgelegten Projekten Design-vorgebildete Bürger auf Design-Studierende oder bereits ausgebildete Designer*innen. Die daraus entstehenden Ideen und Lösungen werden sicherlich sehr zahlreich und hochwertig sein und damit die jeweiligen individuellen Bedürfnisse der Nutzer*innen wesentlich besser erfüllen.

Und ich wünsche mir, dass eine Design-Grundbildung für alle dazu beiträgt, dass Design-Projekte bzw. deren Beauftragung und Abwicklung zukünftig reibungsloser ablaufen, da Auftraggeber und -nehmer das gleiche Vokabular beherrschen und mehr Verständnis füreinander haben.

Zum Autor:

Dipl. Designer Tim Oelker, gelernter Tischler und studierter Produktdesigner

mit eigenem Büro in Hamburg, entwickelt nachhaltige Produkte, Ausstellungen und Messestände, u.a. für das Institut für Universal Design, ist ernannter Universal-Design-Experte und Juror der Universal-Design-Competition, lehrte an Hochschulen in Hamburg, Hannover und Berlin, initiierte gemeinsam mit anderen Hamburger Designern den DESIGN/DINGS/TAG und engagiert sich im Universal Design Forum e.V., sowie beim Deutschen Designtag im Arbeitskreis Nachhaltigkeit.

Fotos: Tim Oelker by Daniel George; Workshop Minden by Anastasia Eggers

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